mit anschließender Gesprächsrunde. Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus (IWgR) in Reutlingen.
Unsere beiden Lesungen hätten keine bessere Einbettung finden können. Hier konnten wir beiden Autorinnen zuhören, ihren Nachrichten lauschen und anschließend ins Gespräch dazu kommen.
Francine Feuné machte am 17.03. den Anfang. Im Globalen Klassenzimmer des EPiZ kamen wir zusammen, um ihr zu lauschen, wie sie aus ihrem Buch „Meine Familie, mein Leben“, las. Das autobiographische Buch erzählt über die Anfänge des Paares, wie sie sich im Gymnasium in Kamerun zum ersten Mal sahen, bis hin zum Plan, in Deutschland eine Großfamilie zu gründen und über die Auf- und Abs des Familienalltags und der Entstehung des lang gehegten Traumes einer großen Familie. Die Themen rund um die Familienplanung kamen auf, künstliche Befruchtung, die Behandelungen in den Kliniken und ein Tabuthema, Totgeburt. Es war befreiend, in dem Kontext darüber zu sprechen und zu merken: Egal, woher wir kommen, Familienplanung betrifft Frauen besonders und es gibt immer noch Themen, die in unserer Gesellschaft ihren Platz finden sollten. Außerdem erzählte Feuné von einem ihrer Söhne, der besonderen Unterstützungsbedarf hat. Ihm hat sie ein weiteres Buch gewidmet, das bald erscheinen soll. Ihre freiherzige Art machte es einfach, über Themen zu sprechen, z.B. den Alltag in ihrer Großfamilie und Bürden aber auch Wärme und Verbundenheit, die dadurch entstehen. Vielen Dank für den Austausch, der kulturelle Grenzen überwunden und die Gemeinsamkeiten und Schwierigkeiten für weiblichen Personen in den Vordergrund gestellt hat.
Tete Loeper folgte am 26.03. online. Dieses Format hatte den Vorteil, dass Menschen sich von überall aus der Nation zu dieser Lesung zuschalten konnten. Loeper las aus ihrem jüngst beim orlanda-Verlag in deutsch erschienenen Buch „Shut Up and Hide! Memoiren einer Überlebenden aus Ruanda“. Da es ihr wichtig war, zuerst die Idylle darzustellen, in der sie als Kind in einem Dorf nahe der Grenze in Ruanda lebte, begann sie mit dem ersten Kapitel des Buches. Es war spürbar, wie diese von den Zeichen des eintretenden Genozids überschattet wurde. Später las sie aus einer anderen Stelle vor, wo der Genozids der Hutu an den Tutsi schon weiter fortgeschritten war. Es war packend und berührend. Im anschließenden Gespräch kamen wir darauf zu sprechen, dass Loeper durch die Veröffentlichung ihrer Memoiren vielen eine Stimme gegeben hat. Außerdem kamen wir auf die kolonialen Spuren zu sprechen, denn wo die Einteilung in Hutu und Tutsi zuvor fließend und offener war, wurde durch die deutsche (später belgische) Kolonialmacht der Status im Ausweis festgelegt und damit starr. Auch anhand körperlicher Merkmale wurden nun die Menschen eingeteilt. Die Kolonialmächte bevorzugten die Tutsi-Minderheit, was zu tiefen Spannungen führte und den Grundstein für spätere Konflikte und den Genozid legte. Rassismus, hier auch unter der Bevölkerung, hat weitreichende und verheerende Auswirkungen. Der Austausch war sehr wertvoll und vielen Dank an Loeper, die sich getraut hat, diese schwierigen Erfahrungen mit uns zu teilen und darüber zusprechen.
Beide Lesungen wurden durch das Dekolonialitäts-Projekt des EPiZ-Medienservice in Zusammenarbeit mit BtE Baden - Württemberg durchgeführt. Herzlichen Dank an die finanzielle Unterstützung von Brot für die Welt, die das Projekt möglich macht.