Programm "Bildung trifft Entwicklung" im EPiZ

Das EPiZ ist regionale Bildungsstelle des Programms "Bildung trifft Entwicklung" (BtE). Diese umfasst die drei Programmlinien:

  • Bildung trifft Entwicklung - Globales Lernen mit persönlichen Erfahrungen aus Ländern des globalen Südens
  • CHAT der WELTEN - Globales Lernen und digitale Medien
  • Junges Engagement - Entwicklungspolitisches Engagement von Rückkehrer*innen aus internationalen Freiwilligendiensten

Globales Lernen On Air

Was bewegt Menschen in aller Welt? Welche Formen des Wissens nutzen sie, um im Alltag zurecht zu kommen? Was können wir voneinander lernen? Welche Projekte in Bezug auf solidarisches Leben und gemeinsames Lernen gibt es? Welche Alternativen von Bildung gibt es in Schulen, Gemeinden und sozialen Einrichtungen an verschiedenen Orten der Welt?

"Globales Lernen On Air" wurde von einer Gruppe von Bildungsreferent*innen aus Baden-Württemberg ins Leben gerufen mit dem Ziel, ihre Erfahrungen und Inhalte auch über die Grenzen von Bildungseinrichtungen hinaus zu tragen. "Globales Lernen On Air" ist ein Kooperationsprojekt von „Bildung trifft Entwicklung“ (BtE) in Baden-Württemberg und dem Freien Radio Wüste Welle für Tübingen/Reutlingen. Das Freie Radio "Wüste Welle" ist ein besonderer Ort und nichtkommerzieller Rundfunkanbieter auf 96,6 MHz. Die "Wüste Welle" ist ein selbstbestimmtes, offenes Medium insbesondere für Unbekanntes und oft Vergessenes in Wort und Musik.

2021 stehen die Sendungen im Zeichen des brasilianischen Pädagogen Paulo Freire, der dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte. Freires Kampf für Bildungsgerechtigkeit ist weiter aktuell. Seine Ideen fordern heraus, neue Wege zu gehen. Hochwertige Bildung für alle wurde von den Vereinten Nationen als ein wesentliches Ziel für die nachhaltige Entwicklung anerkannt. Weltweit beschäftigen sich viele Menschen mit der Frage, wie Bildung freies Denken und Lernen, mehr Selbstbestimmtheit, Gerechtigkeit und Teilhabe und damit auch Nachhaltigkeit und Friedensprozesse ermöglichen kann.

Ab dem 14.04.2021 wird die Sendung alle vier Wochen im Programm der Wüsten Welle gesendet. Termine und Sendungen finden Sie hier: https://www.wueste-welle.de/sendung/view/id/308

Inhalte und Audio-Ausschnitte der Sendungen sollen anschließend in Blogbeiträgen und podcast-Formaten für die Bildungsarbeit veröffentlicht werden.

Kontakt

Bildung trifft Entwicklung

Marieke Kodweiß: marieke.kodweiss@epiz.de

Freies Radio Wüste Welle

Matzel Xander: matzel@wueste-welle.de

www.wueste-welle.de

Paulo Freire - Pädagogik der Befreiung

In dieser Radiosendung vom 14.04.2021 ging es um eine Einführung in Paulo Freieres Leben und seine Pädagogik der Befreiung mit den damit verbundenen Themen. Verena und Rocío erzählen über ihren Bezug zu Freires Werk in ihrer aktuellen Arbeit. Zu Gast ist Carolina Butto Zarzar, Erziehungswissenschaftlerin, Soziologin und Expertin für internationale Kooperation.

Carolina Butto Zarzar ist in Chile geboren und in Brasilien aufgewachsen, wo sie im Studium ein Seminar von Freire besuchte. Im Interview erzählt sie, wie diese persönliche Begegnung mit Freire ihr privates und berufliches Leben geprägt hat. Dazu beschreibt Carolina ein berührendes Erlebnis in einem Alphabetisierungsprojekt, in dem sie Menschen Lesen und Schreiben nach Freires Methode beigebracht hat und sie unter der Einleitung von Paulo Freire ihr eigenes Leben und Handeln hinterfragten. Sozialbenachteiligten Menschen haben somit eine Stimme bekommen.

Carolina hat eine Vision: Sie möchte mit Ihrer alltäglichen Arbeit und Handeln zu einer gegenseitigen Verständigung, Wertschätzung und konstruktive Konfliktlösungen beitragen. Sie betont: man könnte die Welt und jede Realität ändern, wie Freire auch plädiert hat, indem wir Gemeinsamkeiten erkennen, wie wir von und miteinander lernen. In diesem Sinne sieht Carolina das Erbe von Paulo Freire ganz aktuell, weil das globale Denken mit einem globalen Handeln zu tun hat. Zum Schluss erläutert Carolina welche Botschaften von Freire aus ihrer Sicht für die heutige Gesellschaft wichtig sind: „Raus aus der Passivität, rein in das Handeln, gemeinsam sind wir stärker und Hoffnung gibt es nur wenn wir ein gerechtes Handeln in jeder Tätigkeit haben“.

Hier können Sie den Einstieg in die Sendung nachhören. Alle weiteren Audiodateien der Sendung finden Sie hier.

Dekolonialität - Paulino José Miguel

In dieser Sendung vom 13.05.2021 ging es um das international viel diskutierte Thema der Dekolonialität (decoloniality), als möglichen Ausweg aus den Strukturen, die die europäische Moderne zusammen mit der Kolonialisierung geschaffen hat und die bis heute unser Denken und Handeln bestimmen. Daniela führt in das Thema ein und stellt zentrale Gedanken von Walter Mignolo zur Diskussion. Aly diskutiert mit dem Politikwissenschaftler Paulino José Miguel vom Forum der Kulturen, zu Gast im Studio, über Strategien und persönliche Erfahrungen im Umgang mit den Folgen der Kolonialisierung.

Ein wesentliches Merkmal der Moderne ist, dass sie spaltet: Da gibt es die, die modern sind und dazugehören und die, die rückständig sind und ausgeschlossen werden. Paulino vom Forum der Kulturen, der aus Mozambik in die ehemalige DDR und nach Deutschland kam, erklärt, welche Auswirkungen dieser Prozess der Ausgrenzung auf verschiedenen Ebenen haben kann.

Die einzige offizielle Sprache in Mozambique ist bis heute das Portugiesisch der ehemaligen Kolonialherren, ergänzt durch die Geschäftssprache Englisch. Aber Paulinos Muttersprache ist Makua, das immer noch von fast einem Viertel der Bevölkerung in Mozambik gesprochen wird. Mit der Sprache wurde auch das kulturelle Wissen in den Hintergrund gedrängt. Das ist ihm später in Deutschland noch einmal so ergangen. Die Strukturen, sagt Paulino, sind das Problem, nicht die Menschen: wir sind alle in den Strukturen gefangen.

Um aus diesen Strukturen auszubrechen, können wir lernen, sie zu hinterfragen und die Welt anders zu deuten. Walter Mignolo, Universitätsprofessor und Mitinitiator der Decolonial Summer School, macht deutlich, dass das dekoloniale Denken ein Weg ist, unseren Horizont zu erweitern und alle die Dinge mit einzubeziehen, die bis jetzt unter den Tisch gefallen sind.

Unsere Welt wird dadurch reicher — und komplexer. Nicht die individuelle Identität ist der Schlüssel, sondern die Gemeinsamkeit, das Teilen von Erfahrungen und das miteinander und voneinander Lernen. Laut Mignolo ist Bildung keine Institution, sondern Konversation, hier werden alle wichtigen Fragen besprochen, die die Gemeinschaft betreffen. Wie wichtig das ist in der globalisierten Welt, in der wir leben, ist auch durch das Gespräch in der Sendung deutlich geworden.

Vielen Dank an Walter Mignolo und das „Research Collective for Decoloniality and Fashion” (RCDF) für die Freigabe der Aufnahme eines Gesprächs über Dekolonialität in der Mode vom 6. März 2021. (Text: Daniela Goeller)

Hier können Sie den Einstieg ins Thema "Dekolonialität" nachhören. Alle weiteren Audiodateien der Sendung finden Sie hier.

YOU ARE NOW UNMUTED - Von der Macht, die Stimme zu erheben. Lesen Sie hier den Gastartikel des EPiZ im Wellenreiter 2021-04.